Schreiben ist Erinnerung


Andrea Jeska ist viel gereist und hat wenig studiert. Über das Reisen zu schreiben, hat sie zu ihrem Beruf gemacht. Sie berichtet gerne aus Hütten und aus Häusern, den Palästen bleibt sie meistens fern. Und weil das Werdende spannender ist als das Bestehende, zieht es sie in Länder, wo Systeme im Umbruch und Völker auf der Suche nach ihrer Identität sind. Warum aus dieser Suche, diesem Umbruch Konflikte, manchmal Kriege entstehen, ist eine Frage, der Andrea Jeska seit langem nachgeht. Ob in Afrika oder im Kaukasus, immer steht der Alltag der Menschen im Mittelpunkt ihrer Reportagen für die ZEIT, Chrismon, Brigitte, Vanity Fair, FAZ u.a.



Kreativwerkstatt I (Workshop)
  • Lebens- und Liebesgeschichten, Briefe und Tagebuch
  • Coaching: Andrea Jeska
  • 2 Tage mit insgesamt 6 Zeitstunden = 600 Euro
  • auf Anfrage: ein Samstag und ein Sonntag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr


Erster Tag

Am ersten Tag setzen wir uns mit der Frage auseinander, was eine Geschichte ausmacht. Bringen Sie Beispiele mit, die Sie berührt oder fasziniert haben. Texte, bei denen Sie atemlos wurden oder wütend, traurig oder die Sie beklemmend empfanden. Wir schauen, mit welchen Mitteln solche Gefühle erzeugt wurden. Dazu gehört die Betrachtung der sprachlichen Mittel sowie die Bilder, mit denen Assoziationen hervorgerufen werden. Dann fragen wir nach dem Aufbau einer Geschichte. Wie komme ich von der ersten Idee zu einem groben Umriss? Wie viele Fäden brauche ich, damit meine Geschichte kein dünnes Geschichtchen bleibt? Woher bekomme ich neue Ideen? Und welche Arbeitstechniken muss ich erlernen, damit mir die Ideen nicht verloren gehen? Haben Sie das Gerüst ihrer Geschichte schon im Kopf? Schön, das ist die halbe Miete. Die halbe, wohl gemerkt. Denn eines Tages werden Sie das Gerüst fortnehmen und was dann bleiben soll, ist ein Haus. Vielleicht eines für die Ewigkeit? Jede Geschichte ist nur so gut und glaubwürdig, wie ihre Protagonisten. Was aber braucht so eine Figur, um lebendig zu sein? Pinocchios können wir alle schaffen, aber die blaue Fee zu sein, die Lebendigkeit verleihen kann, das ist schwer. Sind die Schultern unserer Figuren breit genug, um die Geschichte zu tragen? Und was, wenn diese, die wir in unseren Köpfen schufen, plötzlich aus der Reihe tanzen, ein Eigenleben bekommen, wie bringen wir sie wieder in die Spur?

Zweiter Tag

Sie kennen Ihr Thema, Sie wissen, wie Ihre Geschichte anfängt und enden soll, was in der Mitte steht und was Sie alles erzählen wollen. Was tun Sie aber, wenn die wunderbare Melodie in Ihrem Kopf nicht auf das Papier will, wenn jeder Satz hölzern und spröde klingt, wenn sich die Teile nicht wie in einem Puzzle zusammenfügen, wenn es keinen roten Faden gibt, sondern nur ein wirres Knäuel? Vielleicht sind Ihre Bilder nicht originell und Ihre Figuren reden, als wären sie einer Schmonzette entstiegen. Von Dialogen ganz zu schweigen. Und je ungeduldiger Sie werden, desto mehr entfernt sich das, was Sie eigentlich sagen wollen, von jenem, was vor Ihnen auf dem Papier oder dem Bildschirm steht. Kein Problem. Die größten Schriftsteller litten unter der Angst vor dem weißen Papier, staubsaugten x-mal ihre Wohnung, tranken zwei Flaschen Wein, verreisten, aßen zu viel Schokolade, beschimpften ihre Partner. Geschichten fließen nicht aus der Feder, sie wollen erkämpft und errungen werden, sie wollen Arbeit und Opfer. Wir wollen üben, wie man diese Arbeit vollbringt, so lange, bis sie den Biss haben, auch größere Absätze zu wagen.

Kreativwerkstatt II (Einzeltraining)
  • Lebens- und Liebesgeschichten, Briefe und Tagebuch
  • Dozentin: Andrea Jeska
  • 60 Minuten = 60 Euro
  • Termine nach Absprache
  • Beginn: auf Anfrage

Schreiben ist Arbeit

Viele Gedanken werden nie Wort. Manche, weil sie im Schweigen besser aufgehoben sind. Andere, weil das rechte Wort sich nicht einfinden will. Oder eingesperrt ist in den Grenzen des eigenen Bewusstseins.

Wer schreibt, muss den Gedanken Freiheit geben. Schreiben ist Selbsterforschung und Selbstfindung.

Wer schreibt, muss Gelassenheit und Geduld entwickeln, seine Wahrnehmung schärfen. Schreiben ist Meditation und Selbstversunkenheit.

Wer schreibt, muss sich ausliefern können. Schreiben ist Erinnerung.

Wer schreibt, muss sich disziplinieren können. Schreiben ist Arbeit.

Wer schreibt, muss Asche und Phönix sein können. Schreiben ist Schmerz und Glück zugleich.

Wer wir sind und was wir sein wollen, was wir erhoffen und träumen, was uns glücklich oder traurig macht, wissen nur wir selbst. Wenn wir wollen, dass aus dem Ich auch ein Du wird, wenn wir in den Dialog treten wollen mit der Welt und aus dem stummen Gespräch mit uns selbst eine Unterhaltung mit andern machen wollen, brauchen wir das Wort. Nur wer spricht, wird gehört. Doch manchmal ist das gesprochene Wort unzuverlässig und flüchtig. Geschrieben aber erfährt es Tiefe und Dauer.

Sind schon lange Gedanken in Ihnen, die Wort werden wollen. Gefühle, die Sie in Ton und Klang verwandeln wollen? Bringen Sie diese mit und lernen Sie mit uns das Handwerk. Jedes Meer besteht aus Wassertropfen. Und jede Geschichte hat einen Anfang. Machen Sie ihn.

                                                                                                              Andrea Jeska